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Ausschnitte aus dem Buch

Das Voith Orchester Heidenheim

 

Thema mit Variationen

1928

1938

1948-1992

 

Herausgegeben von Adalbert Feiler

 

Hierbei handelt es sich um eine Chronik eines Laienorchesters, das aus einer Initiative des Industriellen Hanns Voith, ursprünglich als Lehrlings-Werksorchester, entstanden ist. Verschiedene Beiträge von langjährigen Orchestermitgliedern lassen vielfältige Gesichtspunkte zur musikalischen Betätigung von Laien aufleuchten im tagtäglichen Leben. Der Herausgeber führt konsequent und liebevoll durch die Jahrzehnte, wobei ihm die eigene aktive Mitgliedschaft in diesem Orchester seit 1952 zugute kommt. Die ersten Stimmen zu diesem Buch lauten: „... das Interessante dabei ist, dass sich diese Orchestergeschichte wie ein spannendes Buch liest.“   „das ich mit großem Interesse und mit Genuss studiert habe. Ich darf Sie zu der reichhaltigen und sehr sorgfältig editierten Ausgabe beglückwünschen!“

 

Leseproben zum  Buch „Voith Orchester Heidenheim“

Hanns Voith

Auszug aus "Im Gang der Zeiten"

Erinnerungen

erschienen im Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart

...Hans Hoesch, als Papierfabrikant Kunde unserer Firma, als Privatmann Liebhaber und Förderer alter Musik und alter Instrumente, Instrumentensammler und -bauer, war im Laufe der Jahre aus geschäftlichen Gründen immer wieder zu uns gekommen. Ich liebte die Musik, in erster Linie passiv als Zuhörer, und fühlte mich besonders von der romantischen Musik angezogen. In vielen Gesprächen versuchte Hans Hoesch uns zu ermuntern, an eine aktive Ausübung zu denken. Es freute ihn, uns in wohlgesetzten Worten auf die musikalische Kultur hinzuweisen, die im 18. Jahrhundert in den Bürgerfamilien herrschte. Der Besitz einer Anzahl von Instrumenten gehörte in einem Haus der damaligen Zeit zum guten Ton. So erzählte er uns auch die Geschichte aus der Barockzeit von dem Vater, der seinem Sohn schrieb, er werde ihm eine italienische Geige schenken, dieser müsse dafür aber auf ein Paar neue Schuhe in diesem Jahre verzichten. Gerne sprach er über die Qualität der Instrumente, über die Geheimnisse der Formen und Lacke der Violinen. Er war in Cremona gewesen und hatte in der Stadtbibliothek die Aufzeichnungen des Stradivarius studiert. In seinem Haus gab es eine eigene Werkstatt, die mit guten Instrumentenbauern besetzt war. Dort wurden auch Klavichorde und Cembali gebaut, besonders aber Violinen nach alten Maßen mit kürzeren Hälsen, breiteren Griffbrettern und in der alten a-Stimmung, die fast einen halben Ton tiefer war als die heute nach internationaler Übereinkunft festgesetzte. Für diesen geringeren Druck des Stegs auf die Decke seien die Geigen von den berühmten Künstlern Amati und Stradivarius und den anderen gebaut worden und für die Größe der Säle in den Fürstenschlössern , meinte Hans Hoesch.

 

 

Ein Orchester-Senior berichtet aus seiner Jugend:

Mit 14 Jahren bin ich am 1. Mai 1929 als Elektrikerlehrling bei Voith eingetreten.

Zu dieser Zeit hatten die Lehrlinge noch eine Normalarbeitszeit von täglich 9 3/4 Stunden, ohne Pausen, und eine Wochenarbeitszeit von 53 Stunden, also an Samstagen 4 1/4 Stunden. Arbeitsbeginn war 6 Uhr.

Wie aus diesem Lichtbild etwa aus dem Jahr 1930, aufgenommen vom Voith-Fotographen, Herrn Wager, im Aufenthaltsraum der Werkschule, zu ersehen ist, meldeten sich viele Lehrlinge aus meinem Jahrgang, Frühjahr und Herbst 1929, wodurch das Orchester erst auf diese Stärke gebracht wurde.

Mein Vater hatte mir mit 10 Jahren geraten, ein Instrument zu erlernen, damit ich mir in Notzeiten wenigstens ein Zubrot erspielen könne. Dieser auch für ihn nicht erstrangige Gesichtspunkt war nach den Jahren der Rationierung und der drückenden Inflation (1919-1923) nur allzu verständlich.

Mit den vielen Nullen auf unseren Geldscheinen gingen wir damals beim Einkaufen so spielend um wie die heutige Jugend mit dem Computer. Umstellungsverhältnis am Ende der Inflation: 1 Billion Mark = 1 Rentenmark.

 

 

In den fünfziger Jahren,

Hahns Arbeit mit dem Orchester:

Hahn arbeitete sehr genau. Er "disziplinierte" die Stimmen, zwang sie unbestechlich in sein Taktmaß, übte Figuren und "Tonteppiche" je Stimme, wenn es sein musste je Pult (das war dann für den Übungsstand des Einzelnen immer "der Tag der Wahrheit"). Mehr als einmal überlegte ich, ob ich der Sache gewachsen sei und ob es nicht besser sei aufzugeben.

Die Zeit des Zweiten Weltkrieges drängte offensichtlich nicht nur das technische Können der jungen Menschen gegen Null, auch die Kenntnis der Literatur war fast nur auf die reine Schulliteratur begrenzt. Hahn baute mit der Musik des Barock eine breite, solide Basis. Er kultivierte einen Bach- und Händel-Stil im Orchester und kam damit auch dem Hörbedürfnis des Publikums nach.

 

 

Dr. Hans Wolfram Schweppenhäuser

Festvortrag zum 25jährigen Orchesterjubiläum im Hermann-Voith-Saal

" Man sagt, die Musik sei ein vortreffliches Zufluchtsmittel für die Üppigen und Reichen. Welchen Nutzen aber bringt sie den übrigen Menschenkindern? Hierauf lässt sich getrost antworten, daß es leicht ist, all die wichtigen und menschenfreundlichen Zwecke anzuzeigen, zu welchen die Musik heutigentags angewendet wird: Sie ist für die militärischen Einrichtungen von hohem Nutzen, macht einen ansehnlichen Teil unseres Gottesdienstes aus, und ohne sie wären unsere Schaubühnen herzlich öde. Musik spendet Munterkeit zur Arbeit, entwöhnt uns der Grausamkeit und lindert die Bürde der Sorgen."

Dieser schöne rhetorische Schnörkel stammt von einem mir nicht bekannten Zeitgenossen aus dem Jahre 1772. Da sein Inhalt mit dem heutigen Anlass sehr wohl zu tun hat, wollen wir ihn an den Anfang unserer Rede stellen. Am Schlusse kommen wir wieder darauf zurück.

Ein Jubiläum zu feiern , ist nicht immer ein reines Vergnügen. Manchmal nämlich werden dazu Anlässe gesucht, um wieder einmal ein Stück Gegenwart aufzuwerten.

 

 

40 Jahre Voith Orchester:

"Sind vierzig Jahre überhaupt ein Grund für ein Jubiläum eines Orchesters?" Die Antwort: "Bei uns Schwaben schon!"

Und dann begann die Organisation. Wir wollten das Jubiläum weniger hochoffiziell feiern. Das Jahr 1988 sollte durch besondere, insbesondere qualitative Leistungen des Orchesters zu einem Jubiläumsjahr werden.

Lediglich der Eindruck "40 Jahre Voith Orchester" in die Programme und eine einwöchige Dokumentation im Foyer der Freien Waldorfschule Heidenheim zum Sommerkonzert zeigte nach außen dieses Jubiläum an.

Dann nahm das Orchester dieses Jubiläum zum Anlaß, eine Konzertreise in die Partnerstadt St. Pölten durchzuführen.

Wir schauten im kleinen Kreis, individuell, in die Vergangenheit zurück, ohne offizielle Ehrungen. Eher unter der Oberfläche entstand der Bezug zur "vorgeburtlichen Zeit" des Orchesters: Der ehemalige Pfarrersohn, von dem Dr. Hanns Voith berichtet, er habe das kleine Hausensemble in der Voith-Villa dirigiert - inzwischen Hochschulprofessor für Musik in Heidelberg und international geachteter Pianist - Christoph Back, vermittelte den Musikstudenten Daniel Nodel für das Sommerkonzert als Geiger.

Am Sonntag, 12. Juni 1988, stand dann Daniel Nodel im Festsaal der Freien Waldorfschule Heidenheim vor dem Heidenheimer Publikum.... Gespielt wurde das Violinkonzert Nr. 1, D-dur, op. 6, von Nicolo Paganini und die Große C-dur Sinfonie (Sinfonie Nr. 8), von Franz Schubert....

Durch den Erfolg in Heidenheim angespornt, ging es freudig im September nach St. Pölten, der Landeshauptstadt von Niederösterreich.

 

 

Und Lebensgeschichte wird im Orchester auch geschrieben:

Am 9. Juni 1991 bearbeitet Dr. Lochmann in Immenstadt "seinen Choral" zur Goldenen Hochzeit des Orchester-Ehepaares Lochmann.

Am gleichen Tag entbindet Frau Käßbohrer die "Orchester-Zwillinge" Lisa und Anne, die Töchter des Bratschers Martin Käßbohrer, der deswegen schnell die Proben in Immenstadt verlassen muss. 

 

Ich klingle am Haus Saal. Gerhard Saal öffnet. Seine Frau bringt kühle Getränke. 1988 haben wir uns zuletzt gesehen, trotzdem ist es , wie wenn es gestern gewesen wäre. Saal scheint von der Hitze angegriffen zu sein. Sein Gesicht ist weiß - durchsichtig. Beim Gespräch wird er aber ganz der Alte. Wir wollen über die Zeit seiner Tätigkeit beim Voith Orchester sprechen, dazu kommen wir nicht.

Er schlägt einen großen Bogen in die Vergangenheit: Gleich nach dem Kriege, aus amerikanischer Gefangenschaft zurück - begegnete Gerhard Saal, damals Fuchsmajor einer studentischen Verbindung, Karl Hahn in Stuttgart.

 

 

Kunst und Sozialordnung

Die Arbeit an der Kunst, um der Kunst willen, ist im Grunde genommen eine äußerst soziale Tätigkeit - sie kann jedem zugute kommen. Und damit ist auch die Kernfrage der Finanzierung der Kunst angesprochen. Man darf deshalb als Grundsatz die Regeln der Sozialordnung der Bundesrepublik Deutschland näher anschauen. Dort gibt es die Begriffe der Solidarität und der Subsidiarität. Solidarität bedeutet, daß die Gemeinschaft dem Einzelnen helfen muß, wenn er sich selbst nicht mehr helfen kann - der so in Not Geratene darf aber auch erst dann die Gemeinschaft in Anspruch nehmen. Die Subsidiarität legt die Reihenfolge der Hilfe fest: Erst wenn der Einzelne sich nicht mehr selbst helfen kann, tritt für ihn die nächst größere gesellschaftliche Form (Familie, Verein, Staat) ein. Dieses System, nicht der Rechtsanspruch, gilt im Prinzip auch für die Lebensbedingungen der freien Kunstschaffenden.

 

Untenstehende Fotografie:

Manfred G. Schwellies / A. Feiler

Probleme der graphischen Gestaltung

 

Das Unterfangen, ein Identitätsmerkmal, das für eine Unternehmung typisch ist und das Publikum anspricht, zu entwerfen, zählt zu den schwierigsten Aufgaben.

Horst Guggenberger sagte bei einer Probe:

"Ihr dürft nicht das spielen, was in den Noten steht, das ist nur Druckerschwärze!"

Diese Aussage gilt auch für ein gedrucktes Zeichen. Auch das Zeichen, hier der Violinschlüssel, muss "belebt" werden. Ich empfand ihn plötzlich als hochgetakeltes Segelschiff: Der Wind bläst in die Segel, das Schiff wird zum Instrument, es fährt, schwingt, stampft! Man sieht förmlich den Windjammer, der Tee von Fernost nach London in einer atemberaubenden Seereise bringt. Den Bratschenschlüssel kann man sich als Hansekogge und den Bassschlüssel als einen einsegeligen Frachtensegler vorstellen.

Das Durchleben dieser Themen führt über die Bewegung zu dreidimensionalen Plastiken, die schließlich über die eindimensionale Reproduktion zu einer auf das Wesentliche reduzierten

Verlag Uwe Siedentop, Heidenheim

ISBN Nr. 3 925887 12 1

Copyright beim Voith Orchester Heidenheim e.V.

Zu beziehen bei Voith Orchester Heidenheim e.V., Meistersingerweg 28, 89518 Heidenheim 

und beim Herausgeber Adalbert Feiler

 

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www.voith-orcherter.de (ext.)

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Voith (ext.)

 

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